Das Einsetzen der pädagogisch- psychologischen Forschungen

Die Psychologin Lotte Mach2 verglich im Jahre 1937 in einer Arbeit die Fehler der Leseschwachen mit denen „Normaler“ und bringt sowohl eine Aufzählung der Fehlermöglichkeiten als auch einen Erklärungsversuch in ihren Forschungen ein.

Die Schwierigkeiten beim Lesevorgang führte sie auf ein geringes, optisches Unterscheidungsvermögen für bestimmte Materialien und ein geringes Gedächtnis für optische Gebilde zurück. Mach sprach sich gegen eine Sonderschuleinweisung, aber für gesonderten Unterricht aus.

Zu einem Zeitpunkt, als man sich im deutschsprachigen Raum mit der allgemeinen Erforschung des Lesens beschäftigte, stand die Legasthenie in Amerika bereits stärker im Blickpunkt der psychologischen und pädagogischen Forschungen. Die Wurzeln hiefür lagen allerdings zu einem Teil auf dem Gebiete der Medizin, zum anderen Teil kamen Anstöße aus dem Gebiet der Testpsychologie. Während sich in Amerika vorwiegend Pädagogen und Psychologen mit „reading disability“ beschäftigten, setzte gleichzeitig eine intensive Arbeit in empirischen Forschungen ein, die auf Untersuchungen von etwaigen Zusammenhängen der legasthenischen Störung mit anderen psychischen Besonderheiten erweitert wurde.

Die Amerikanerin Marion Monroe3 lässt in einem Standardwerk (1932) ein Motiv für den Einsatz der Psychologen und Pädagogen in der Legasthenieforschung anklingen.

1 Dr. Edtih Klasen: Legasthenie: umschriebene Lese-Rechtschreibstörung, München 1995

2 Aus Mach L.: Lese- und Schreibschwäche bei normalbegabten Kindern. In: Zeitschrift für Kinderforschung. Jhg. 1937. Bd.46, S 113-197.

3 Monroe M.: Children who cannot read, University of Chicago, 1932

Der Leitsatz “ Children with reading difficulties are under a severe handicap in modern society“ unterstreicht die soziologische Bedeutung des Lesens. Dieser Leitsatz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch im deutschsprachigen Raum sehr wirksam.

In einem zweiten englischen Standardwerk hingegen weist Schonell1 auf die Problematik hin, dass viele Lehrer und nicht wenige Eltern die Beherrschung des Lesens als Gradmesser der intellektuellen Fähigkeiten ansehen. Eine Meinung, die inklusive Beherrschung des Rechtschreibens, noch heute Gültigkeit hat.

Monroe kam das Verdienst zu, unter Verwendung anderer Arbeiten eine exakte Diagnostikserie für Legastheniker mit genauen Bewertungsnormen, die sie mit Hilfe von Kontrollgruppen gewonnen hatte, erstellt zu haben.

Sie führte Tabellen über die Häufigkeit bestimmter Fehler, Diskrepanzen zwischen der Lesefertigkeit und dem Lebensalter, dem Intelligenzalter und dem Rechnen an.

Aufgrund der Tatsache, dass Monroe Methoden und Ergebnisse bezüglich der Behandlung leseschwacher Kinder erstellte, die durchwegs von Erfolg gekrönt waren, wie auch aufgrund der umfassenden und gründlichen Forschungen von Schonell bezüglich der Symptomatologie und Diagnose, als auch der Ätiologie und Therapie, wurde ein Umdenken von einer einseitig theoretischen Zielsetzung zu einer optimistisch-pädagogischen Haltung eingeleitet.

Eine besonders wünschenswerte Wendung bezüglich Legasthenie, die in den 40er Jahren von der unglücklich gewählten Bezeichnung „Minimal Brain Damage“ geprägt wurde, bahnte sich an.

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