Forschungsarbeiten von 1945-70

Nach 1945 wurden die schulpsychologischen Beratungsstellen erstmals auf die Phänomenologie der Legasthenie aufmerksam.

In zahlreichen Publikationen kam es zu einer übereinstimmenden Symptombeschreibung der Dyslexie. (Dyslexie: griechisch, ”dys” und ”lexis” bedeutet: fehlerhafte Sprache, wobei Sprache im weitesten Sinne gemeint ist, geschriebene und gesprochene Sprache. Statt Legasthenie wird in allen anderen Ländern der Begriff Dyslexie verwendet) (Englisch: Dyslexia).

  • Verzögerung im Erlernen des Lesens und Schreibens
  • Kippen und Umstellen von Buchstaben
  • Buchstabenauslassungen und Buchstabenverwechslungen
  • Sprachliche Speicherschwäche
  • Abweichungen von der Rechtsdominanz
  • Sprachentwicklungsverzögerungen und Probleme bei der Lautdifferenzierung
  • allgemeine Risikofaktoren
  • familiäre Häufung der Probleme

Bezüglich der Leseschwierigkeiten mit denen sich betroffene Schüler konfrontiert sahen, wird es immer offensichtlicher, dass es sich hiebei um eine ersichtliche Verschiedenheit von Typen und Formen handelt.

Die ersten bahnbrechenden Forschungsarbeiten im deutschsprachigen Raum sind den Psychologinnen Linder, Schenk- Danzinger und Kirchhoff zuzuschreiben.

1 Schonell, F. J. Backwardness in the Basic Subjects, Edinburgh and London, 1942

Linders Definition, die sie aufgrund von Untersuchungen bezüglich der Intelligenz von Schülern mit Leseschwäche formulierte, befreite endlich Legastheniker vom Stigma des Sonderschülers: “Unter Legasthenie verstehen wir eine spezielle, aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallende Schwäche im Erlernen des Lesens ( und indirekt auch des selbstständigen, orthografischen Schreibens) bei sonst intakter oder- im Verhältnis zur Lesefähigkeit- relativ guter Intelligenz“ (1951).

Die Legasthenie wird von der Psychologin eindeutig als Teilleistungsschwäche identifiziert und somit wird mit einem gängigen Vorurteil aufgeräumt, dass Schüler mit Leseschwierigkeiten an einem Intelligenzdefizit leiden.

In den 70er Jahren wurde die Phänomenologie der Legasthenie um den Terminus Lernstörung, zusätzlich zum Terminus Teilleistungsschwäche erweitert.

Lotte Schenk-Danzinger, die dieser Problematik ein umfassendes „Handbuch der Legasthenie im Kindesalter“ widmete, prägte den Begriff Legasthenie im deutschen Sprachraum. Schenk-Danzinger differenziert zwischen 2 Arten der Legasthenie:

  1. Die literale Legasthenie (eine sehr seltene Schwerstform der Legasthenie)
  2. Die verbale Legasthenie, von der gemäß neuesten Studien zwischen 10-15% der Gesamtbevölkerung betroffen ist.

Ein wichtiges Anliegen war ihr eine Einbindung der Ergebnisse von Dipl.-Psych. Dr. Edith Klasen, die gemeinsam mit anderen Autoren Therapiefälle näher untersuchte. Der Hauptschwerpunkt ihrer Forschungsarbeiten kann als vorwiegend symptomorientiert angesehen werden. Ferner setzte sie sich mit der von Valtin1 aufgeworfenen Frage der Milieuabhängigkeit bezüglich Legasthenie auseinander. Ein wesentlicher zu beachtender Aspekt, denn durch die Reihenuntersuchungen von unqualifizierten Personen wurde um 1970 folgender Trugschluss gezogen:

Probleme im Erlernen der Rechtschreibung seien milieuabhängig und Legasthenie sei ein Problem der Unterschicht (Man hatte es jedoch verabsäumt auch Lesetests durchzuführen).

Daraus resultierte in den 70-er Jahren eine Antilegastheniebewegung in den USA und auch teilweise in den Niederlanden, die glücklicherweise im deutschen Sprachraum keine Beachtung fand.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s